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Appetit? Piraten berichten über ihre kulinarischen Reiseerlebnisse (Teil 2)

Ein Deal von , 21. Mär. 2020 18.03 Uhr

Ahoi Piraten,

auch wir schippern aktuell nicht über die sieben Weltmeere. Was wir aber machen, ist, uns an tolle Reiserlebnisse, Urlaubsabenteuer UND kulinarische Köstlichkeiten zurück zu erinnern. Und genau diese Leckereien weltweit (und ihre Geschichten dahinter) möchten wir mit euch teilen. Wer weiss, vielleicht lasst ihr euch davon inspirieren und zaubert euch den Urlaub heute mal auf den Tisch. Hier unser zweiter Teil:


Clemens: China steckt voller Überraschungen

Ich liebe Essen! Das ist nicht einfach so dahingesagt, nein, bei mir nimmt es teilweise beinahe obsessive Züge ab. Nicht selten verbringe ich Stunden damit, Foodblogs zu lesen, mir Rezepte anzuschauen, kurz gesagt: Das Internet nach neuen und/oder interessanten Restaurants zu durchforsten und sie auf meiner persönlichen Foodie-Bucket-List abzuspeichern.

Ich würde mich grundsätzlich als aufgeschlossenen und neugierigen Menschen beschreiben. So gibt es grundsätzlich (zumindest kulinarisch) nur sehr wenig, das ich kategorisch ablehne. Dieses Grundprinzip verfolge ich auch auf meinen Reisen – insbesondere in den letzten Jahren hatte ich das Glück, einige doch recht exotische Fleckchen dieser Welt besuchen zu dürfen. Vor Ort versuche ich immer möglichst authentische, einheimisch Dinge zu probieren. Pizza/Pasta und Co. bekommt man zwar beinahe überall auf der Welt, nur selten jedoch sind sie qualitativ mit dem vergleichbar, was wir aus Europa oder im besten Falle aus Italien gewohnt sind. Ausserdem ist die Gefahr, sich den Magen in exotischen Gegenden an importierten und häufig tiefgekühlten Produkten zu verderben deutlich höher als bei frisch zubereiteten lokalen Speisen, glaubt mir!

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Eines meiner kulinarischen Lieblingsländer ist China! Nirgendwo sonst auf der Welt verließ ich so häufig auch einfachste Restaurants, Garstuben und Imbisse mit einem so tiefen und ehrlichen Gefühl der Befriedigung. „Die chinesische Küche“ (ich fasse die sehr unterschiedlichen regionalen Küchen der Einfachheit halber hier unter diesem Begriff zusammen) gehört zweifelsohne weltweit zu meinen absoluten Favoriten. Allerdings hatte ich auch in China das ein oder andere witzige, schockierende oder schlicht unerwartete Erlebnis beim Essen. Hier zwei Anekdoten:

Bei einem Aufenthalt in Shanghai kaufte ich (verkatert und geistig nicht ganz auf der Höhe) im Vorbeigehen bei einem fliegenden Händler auf der Strasse einen Snack. Weniger war es der Hunger sondern vielmehr die Optik und Neugier, die mich zum Kauf bewegten: Es handelte sich um einen harten, ovalen Gegenstand in der Grösse einer Zitrone. Die äussere Hülle bestand aus getrocknetem Stroh. Gedankenverloren öffnete ich meinen Snack im Laufen – und kippte vor Schreck beinahe um: Plötzlich hielt ich ein tief schwarzes, stark riechendes, gekochtes („Tausendjähriges“) Enten-Ei in meinen Händen. Leider erlaubte es mein damaliger Zustand nicht, das Ei zu kosten. Immerhin jedoch widerstand ich dem Impuls, es sofort in weitem Bogen von mir zu schleudern und so entsorgte es voller Scham heimlich im nächsten Mülleimer an der Strassenecke.

Ein anderes mal bestellten meine Freundin (Vegetarierin) und ich an einem Street-Food-Stand in Peking leckere Suppe. Aufgrund der Sprachbarriere war eine Verständigung mit dem Koch hauptsächlich durch Gesten möglich und wir teilten ihm mit, dass wir zwei „normale“ Schalen Suppen nehmen. Als uns die Suppe übergeben wurde duftete sie köstlich, auch der Geschmack überzeugte uns sofort. Heiss, würzig, voller Aromen und gesundem Gemüse. Wir assen voll Genuss, allerdings wunderten wir uns ein wenig über die seltsame Suppeneinlage, die entfernt an Eierstich erinnerte. Erst kurz bevor wir aufgegessen hatten kam uns schlagartig die Erkenntnis - das in der Suppe war kein Ei, sondern geronnenes Hirn! Obwohl ich eigentlich nicht empfindlich bin, wurde auch mir etwas flau im Magen. Wir stahlen uns möglichst unauffällig um die Ecke und versenkten die Reste unserer Hirn-Suppe heimlich im Abfall.



Steffi: Gemista, Keftedes und jede Menge Raki auf Kreta

Kein Urlaub ohne geiles Essen, das ist mein Motto. Plane ich meine nächste reise, kann ich es vorab einfach nicht lassen, die Restaurants und Food Markets in meiner Nähe abzuchecken. Griechenland mit seinen Meze hat es mir kulinarisch besonders angetan. Vielfältig, käselastig (ich liebe Käse) und frisch - so lässt sich die griechische Küche wohl am besten beschreiben.

Auf Kreta gibt es den ein oder anderen Ort, den ich kulinarisch besonders schätze und der bei jedem Besuch auf der Insel ein absolutes Must do ist. Das Spiliaraki zählt dazu. Entdeckt habe ich dieses eher unscheinbare Lokal vor einigen Jahres nach einem Ausflug im Süden. Ich war den ganzen Tag unterwegs und hatte richtig Hunger. Also suchte ich mir einen Sitzplatz auf der zugegeben etwas wackligen selbsterbauten Terrasse mit Blick ins Tal und durchstöberte die Karte. Das Essen war typisch für das in einem Bergdorf und ich stellte mir schon vor, wie ich mir allerhand Leckereien reinstopfte - doch der Kellner holte mich aus meinen Tagträumen und erklärte mir, dass sie die Karte nur für die Getränke hätten und begann aufzuzählen, was es wirklich gibt. Ich entschied mich für Gemista - mit Reis und Gewürzen gefüllte Tomaten (eigentlich auch Paprika, aber ich bin ein sehr mäkeliger Mensch), die ich oft und gerne esse.

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Doch diese Portion war anders. So aromatisch hatte ich dieses Gericht noch nirgends serviert bekommen, dazu frischer hausgemachter Schafskäse. Das Essen schien einfach und war doch eines der besten Sachen, die ich je gegessen hatte. Ich habe es zuhause unzählige Male versucht, nachzukochen - erfolglos.

Was man auf Kreta sonst noch so essen sollte? Ich liebe sämtliche Arten Keftedes, kleine Bällchen: Aus Zucchini, Tomaten oder Käse, dazu einen griechischen Salat…UND: ordentlich Raki! Landet ihr im richtigen Lokal, gibt’s nicht nur reichlich davon, sondern auch gut schmeckenden. Das nämlich, ist in den Touristenhochburgen der Insel leider nur selten der Fall ;-)

Fotos von meinem Essen kann ich euch übrigens nicht bieten - zu schnell landet das griechische Essen regelmässig vom Teller im Bauch.


Gina: Kulinarisches Best of Neuseeland, Samoa & Vietnam

Wenn ich an kulinarische Erlebnisse während meiner Reise denke, kommen mir so viele Länder in den Sinn, dass es mir schwerfällt, mich für ein Erlebnis zu entscheiden. Deswegen bekommt ihr hier ein kleines Best Of meiner kulinarischen Empfehlungen:

No. 1: Midnight Espresso - Wellington, Neuseeland

Wellington, meine unangefochtene urbane grosse Liebe! Die kleine Metropole besticht zwar nicht mit ihrer Grösse, dafür aber mit kultureller Vielfalt, Freiheit und Nähe zur Natur mit gleichzeitigem Grossstadtfeeling. Wellington hat dabei nicht nur eine Leidenschaft für Kaffee und nimmt das Barista-Handwerk sehr ernst, sondern hat in Sachen Essen auch einiges zu bieten. Da die Stadt Menschen aus unterschiedlichsten Ländern beherbergt, kommen hier viele kreative Einflüsse zusammen und verbinden sich zu aussergewöhnlichen Konzepten.

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Einer meiner absoluten Lieblingsorte in Wellington ist das Midnight Espresso in der schönen Cuba Street. Hier gibt es nicht nur eine riesige Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten, sondern vor allem ein tolles Konzept! Die Einrichtung ist ein bunter Mix aus Vintage und Moderne gemixt mit Arcade-Automaten. Die Wände sind handbemalt und erinnern an einen luziden Traum. Ein kleiner Raum vor den Waschräumen leuchtet sogar im Schwarzlicht und man fühlt sich, als wäre man gerade durch ein Kaninchenloch in eine Märchenwelt gefallen.

Das Midnight Espresso hat zwar ein reguläres Menü mit beispielsweise Smoothies und Nachos, aber das wirkliche Highlight wartet in der grossen Theke: Hier findet ihr jeden Tag eine riesige Auswahl an süssen und deftigen Speisen wie Kuchen, Burger, Lasagne, Sandwiches und vielem mehr.

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Man bestellt an der Theke und wenn euer Essen fertig ist, laufen die sehr individuell aussehenden Mitarbeiter (viele Tattoos, Piercings und Second Hand Klamotten) durch das Café und rufen die Bestellung aus. Hier muss man manchmal ganz genau hinhören, denn das Minight Espresso hat nicht nur ein grossartiges Essensangebot, sondern auch verdammt gute Musikboxen. Manchmal fühlt man sich, als würde man seine Chai Latte direkt in der Disco um die Ecke schlürfen… Ach und das Beste: Wie der Name verspricht, hat das Midnight Espresso bis mitten in die Nacht geöffnet und somit schon dem ein oder anderen Partytier einen wohlverdienten Mitternachtssnack beschert.

Pro Tip: Besucht das Café oft genug mit euren Freundinnen und bestellt das vegane Menü rauf und runter, dann bekommt ihr irgendwann regelmässig Smoothies von den netten Mitarbeitern auf’s Haus… :)

No. 2: Family Dinner & die allgemeine Gastfreundschaft auf Samoa

Samoa besteht aus den zwei Hauptinseln Savai’i und Upolu sowie vier kleineren Inseln. Das Land im Pazifik gehört in Deutschland nicht zu den top Destinationen - da es von hier einfach extrem weit weg ist. Von Deutschland aus kann man mit Reisezeiten von mindestens 37 Stunden rechnen…

Trotzdem durfte ich dieses wunderschöne Fleckchen Erde schon besuchen. Neben der Tatsache, dass man sich hier wirklich wie im unberührten Paradies fühlt, ist die Gastfreundschaft der Samoaner einfach umwerfend. Da es auf Samoa kaum Hotels gibt, übernachtet man meistens in kleinen Hütten, sogenannten Fales, direkt am Strand. Die kleinen Übernachtungsmöglichkeiten sind dabei familiengeführt. Da es, bis auf wenige Ausnahmen in der Hauptstadt Apia, auch keine Restaurants gibt, bereiten die Gastgeber jeden Abend ein Family Dinner (und morgens ein Frühstück) für alle Reisenden zu. Gegessen wird dann mit allen zusammen. Meist besteht das Essen hier aus sehr frischen Früchten, Kokosnusssuppe, Fisch und heimischen Knollen.

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Was für mich auf Samoa allerdings einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, war die Tatsache, dass die wundervollen Gastgeber immer versucht haben, mich so satt wie möglich zu kriegen. Auf Samoa kennt man keine vegane Ernährungsweise, das Leben ist sehr simpel und die Menschen haben nicht viel. Trotzdem wurde für mich immer extra aufgetischt und zwar dermassen viel, dass ich manchmal fast geplatzt bin - Samoaner lieben es zu essen! Diese Offenheit und Herzlichkeit gegenüber Reisenden und anderen Lebens-/Denkweisen hat mich nachträglich tief beeindruckt.

Side note: Auf Samoa habe ich übrigens auch eines der merkwürdigsten Lebensmittel auf meinen Reisen probiert: Algen, deren Enden aus kleinen „Bällchen“ bestehen und an Tapioka-Perlen erinnern. Wenn man drauf beißt, zerplatzen diese und es kommt Meerwasser heraus. Auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig… :)

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No. 3: Minh Hien Vegetarian Restaurant - Hoi An, Vietnam

In Hoi An habe ich aber definitiv das kulinarische Highlight meiner zweiwöchigen Vietnam-Rundreise entdeckt: das Minh Hien Vegetarian Restaurant. Hier speist ihr nicht nur in ziemlich coolem Ambiente, sondern auch noch richtig lecker! Man fühlt sich hier wie in einer Bibliothek, da die Wände komplett mit Bücherregalen voller Mangas bedeckt sind. Gepaart mit der superlieben Art der Mitarbeiter, kommt totale Wohnzimmeratmosphäre auf. An mehreren Hunden, die durch das Restaurant streunen, sollte man sich hierbei allerdings nicht stören.

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Das Essen, welches auch noch total schnell serviert wird, ist wirklich irre! Ihr könnt hier verschiedenste vegetarische und vegane Gerichte bestellen - vieles wird in Bananenblättern gegart und serviert. Alles schmeckt total frisch und ist toll gewürzt. Empfehlen kann ich ausserdem die Vorspeisen: In den Papayasalat hätte ich mich reinlegen können! Ausserdem habe ich hier die besten Sommerrollen meiner gesamten Asienreise gegessen - und davon habe ich während fast drei Monaten so einige probiert…


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